Dr. Heinrich Schmelzer


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Obstipation

Obstipation, das Gefühl verstopft zu sein, hat zwei Gesichter. Die einen beklagen, nur selten Stuhlgang zu haben, die anderen beklagen, dass sie Mühe haben, sich zu entleeren.

In beiden Fällen liegt die Ursache fast immer an zu wenig Bewegung und in einer fehlerhaften Ernährung mit zu wenig an Ballaststoffen und/oder Flüssigkeit, vor allem in den Sommer- monaten und auf Reisen. Der Transport des Speisebreis ist verlangsamt und die Stühle werden hart und trocken. Im zweiten Fall kann auch eine obstruktive Entleerungsstörung vorliegen. Häufig ist diese nur vermeintlich, denn eine Vergrößerung der hämorrhoidalen Gefäßpolster (Hämorrhoiden) kann Stuhldrang vortäuschen, ohne dass der Enddarm mit Stuhl gefüllt ist.

Eine primäre neuropathische Motilitätsstörung des Darms als Ursache für einen verzögerten Transport des Darminhaltes ist selten. Mittels Bestimmung der Darmpassagezeit kann eine solche ausgeschlossen werden. Sekundäre Motilitätsstörungen kommen bei neurologischen (Schlaganfall, Demenz, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose) und hormonellen Erkrankungen (Hypothyreose) sowie bei Stoffwechselstörungen (Diabetes) vor.

In manchen Fällen von Obstipation liegt ein überlanger Darm vor, manchmal spielen Bett- lägerigkeit oder Depression oder andere psychische Faktoren eine Rolle. Auch Substitution von Eisen und eine Medikation von Psychopharmaka oder Morphinderivaten im Rahmen einer Schmerzbehandlung können zu einer Verlangsamung der Darmpassage und Eindickung des Darminhaltes führen.

Seltener Stuhldrang und harter Stuhl ist in den meisten Fällen jedoch auf ein Ballaststoffdefizit oder eine Unausgewogenheit zwischen Ballaststoffgehalt der Nahrung und Flüssigkeitsbedarf zurückzuführen.

Denn Ballaststoffe machen nur dann Sinn, wenn gleichzeitig ausreichend viel getrunken wird, was im Alter oft schwer fällt. Auch der Konsum von Kakao, Schokolade (insbesondere Zart- bitter), Nüssen und Mandeln erfordert ein Übermaß an Flüssigkeitsaufnahme. Wenn dieses nicht geleistet wird, kommt es zur Verstopfung. Beim schwarzen Tee und Rotwein, sind es die Gerbstoffe, die Obstipation fördern.

Abführmittel auf Dauer sind Gift für den Darm, vor allem sogenannte Osmolaxantien wie Laktulose und hydragoge Laxantien (Dulcolax, Movicol, Laxoberal). Sie eignen sich nur zur Beherrschung einer vorübergehenden Obstipationsattacke.

Hat sich der Stuhl im Enddarm festgesetzt (Koprostase), helfen nur Abführzäpfchen und Einläufe. Manchmal wird auch eine digitale Stuhlzerkleinerung durch den Proktologen notwendig.

Lässt sich durch Umstellung der Ernährung allein keine Abhilfe schaffen, ist Flohsamen als Quellmittel zu empfehlen. Durch seine hohe Wasserbindungskapazität erhöht sich das Stuhlvolumen, was wiederum die Darmperistaltik anregt. Ein ausgezeichnetes Nahrungser- gänzungsmittel sind Trockenobst und Hafer, die zu gleichen Teilen lösliche und unlösliche Ballaststoffe enthalten. Unlösliche Ballaststoffe wie Kleie erhöhen vor allem das Stuhlgewicht, das notwendig ist, um den Entleerungsreflex auszulösen (Kontinenzorgan). Im Alter kann das Reflexverhalten eingeschränkt sein.

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