Dr. Heinrich Schmelzer


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Handchirurgie

Ganglion

Überbein, so nennt der Volksmund die harte Schwellung über dem Handrücken am Hand- gelenk oder an den Fingern. Diese hat jedoch nichts mit dem Knochen zu tun, sondern ent- spricht einer prall mit Flüssigkeit gefüllten Ausstülpung der Gelenkinnenhaut oder einem Hohlraum, den verklebte Sehennscheiden bilden und in dem sich die Flüssigkeit staut. Tritt ein Ganglion nagelkopfgroß über einem Fingerendgelenk auf, spricht man von einer Dorsalzyste.

Wenn ein Ganglion stört, wird es in lokaler Betäubung über einen kleinen Hautschnitt entfernt. Bei Ganglien, die dem Gelenk entspringen, muss man darauf achten, es bis zur Wurzel auszuschneiden. Die winzige Lücke in der Gelenkkapsel sollte nach Möglichkeit vernäht werden, und die Hand mindestens für 14 Tage ruhiggestellt werden, um der Gelenkkapsel Gelegenheit zur Vernarbung zu geben.

Liegt die Ursache in einer Verklebung der Sehenenscheiden, müssen diese sorgfältig von den Sehnen gelöst und ausgeschnitten werden. Eine postoperative Ruhigstellung ist hier nicht dienlich.

Schnellender Finger

Wenn ein gebeugter Finger bei der Streckung springt (schnackelt, schnellt), d.h.wenn die Sehne keinen freien Lauf hat, so liegt dies an einer Verengung des Ringbandes über dem Grundgelenk, mit dem der entsprechende Finger über dem Knochen gehalten wird. Über einen kleinen Schnitt wird dieses Band eingekerbt, so dass die Sehne wieder ohne Widerstand gleiten kann. Eine postoperative Ruhigstellung ist nicht angezeigt.

Morbus de Quervain

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Enge des 1.Strecksehnenfaches, durch das zwei Sehnen ziehen, die des kurzen Daumenstreckers und die des Daumenabspreizers. Der Daumen springt zwar nicht, aber bei gewissen Bewegungen schmerzt es über der Daumen- seite  des Handgelenkes sehr. Ursache scheinen überzählige Sehnen zu sein, die teilweise separat eingescheidet sind. Da Variationen eher die Regel als die Ausnahme sind, scheint es sich bei dem 1.Strecksehnenfach um eine evolutionäre Schwachstelle im Rahmen der phylogenetischen Entwicklung der Greiffunktion zu handeln.

Die Diagnose wird oft verschleppt, da von einer banalen Sehnenscheidenentzündung ausgegangen wird. Eine operative Spaltung des Daches des Strecksehnenfaches beseitigt die Beschwerden einfach und schlagartig.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Wenn die Finger nachts schmerzhaft „ einschlafen“, kann eine Verdickung des Bandes zwischen Daumen – und Kleinfingerballen schuld sein: der Hauptnerv für das Gefühl der Finger (N.medianus) wird abgeschnürt . Dies lässt sich durch eine Messung seiner Leitgeschwindigkeit bestimmen. Liegt diese über einem bestimmten Wert, helfen konservative Maßnahmen nicht mehr. Vor allem Frauen in höherem Lebensalter sind betroffen.

Über einen 3-4 cm langen bogenförmigen Schnitt wird das Band gespalten. Selten ist auch der Kleinfingernerv (Nervus ulnaris) betroffen. Dann ist auch seine Loge zu eng und muss erweitert werden. Postoperativ empfiehlt sich es sich, für einige Tage einen festen Verband anzulegen, eine Ruhigstellung ist nicht notwendig. Dieser kleine, aber anspruchsvolle Eingriff kann in örtlicher Betäubung vorgenommen werden. Oft sind schon unmittelbar nach dem Eingriff die nächtlichen Schmerzen verschwunden. Nach 2-3 Wochen ist die Hand meist wieder voll zu gebrauchen. Eine Schwächung der Kraft kann anhalten.

Sulkus nervi ulnaris Syndrom (SNUS)

Betrifft die Taubheit nur den kleinen Finger und den Ringfinger, und den auch nur zur Hälfte, so besteht die abschnürende Enge höchstwahrscheinlich an der Innenseite des Ellenbogens, dort, wo der Nervus ulnaris in einem Kanal um den sogenannten „Musikantenknochen“ (Epicondylus medialis) herum läuft. Um sich erholen zu können, wird der Nerv aus seinem Kanal ausgelagert und vor dem Knochen neu eingebettet.

Morbus Dupuytren

Die schmerzlose, strangartige Knotenbildung in der Hohlhand, die mit der Zeit auf einen oder mehrere Finger übergreift und deren Streckung behindert, trifft vor allem Männer in höherem Lebensalter. Obwohl es den Anschein hat, als handle es sich hier um eine Erkrankung der Sehnen, liegt die Ursache in einer Schrumpfung und Verdickung der straffen Faszie (Palmaraponeurose), die sich unter der Haut und zwischen den Sehnen erstreckt.

Solange es sich nur um eine Knotenbildung in der Hohlhand handelt, die keine Beschwerden bereitet, ist nichts zu tun. Oft ruht die Erkrankung über Jahre. Nimmt die Verhärtung zu, können Röntgenbestrahlung oder Cortisoninjektionen ein weiteres Fortschreiten unter Umständen eine Zeitlang stoppen.

Greift die Erkrankung auf die Finger über und schränkt deren Streckung ein, ist ein operativer Eingriff angezeigt: Nach mäanderförmiger Inzision der Haut wird die befallene Faszie über den Sehnen und zwischen den Gefäßnervenbündeln sorgfältig ausgeschält. Gründlichkeit ist Voraussetzung, um einem Rezidiv vorzubeugen. Verletzungen von Hautnerven können vorkommen. Daher sind eine Blutleere, die durch Auswickeln des Armes mit anschließender Kompression erreicht wird, ebenso wie eine regionale Anästhesie (Armplexusanästhesie) oder Vollnarkose unerlässlich.

Eine Drainage und Ruhigstellung über mehrere Tage sind obligat. Die Wundheilung kann 3 – 8 Wochen in Anspruch nehmen. In fortgeschrittenen Fällen ist postoperativ eine frühzeitige krankengymnastische Übungsbehandlung notwendig, um die Beweglichkeit der Finger wiederherzustellen.

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Faszie = feste Bindegewebsschicht
Rezidiv = Wiederkehren/Wiederauftreten einer Erkrankung