Dr. Heinrich Schmelzer


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Entleerungsverhalten

Viele Ältere erinnern sich noch an das „ Plumsklo“: ein Loch im Boden und rechts und links zwei Haltegriffe an der Wand, um die Hockstellungplumsklo zu erleichtern. Niemand wäre auf die Idee gekommen, hier länger zu verweilen als nötig.

mann,toilette-neuMit Einführung des bequemen Toilettensitzes entstand der Mythos, man solle sich beim Stuhlgang Zeit nehmen. Es wird geraucht, telefoniert, gelesen oder mit dem smartphone gesurft, gemailt oder gechatted und das nicht selten über 10-20 Minuten und mehr. Längeres Verweilen führt  jedoch unweigerlich zu wiederholten Versuchen, nachrutschende Stuhlportionen durch Pressen herauszudrücken.

Stuhlgang ist ein automatischer Vorgang, vorausgesetzt  Ballaststoffzufuhr und Flüssigkeitsaufnahme stehen in einem ausgewogenen Verhältnis miteinander (Ernährung). In diesem Fall öffnet sich der After unwillkürlich, sobald wir starken Stuhldrang verspüren und ihm nachgeben. Kommt nur Luft, sollte man die Toilette verlassen und abwarten bis wieder Stuhldrang einsetzt.

Seltene und/oder unregelmäßige Nahrungsaufnahme führt auch zu seltenem und/oder unregelmäßigem Stuhldrang. Es muss nicht jeden Tag eine Entleerung stattfinden, schon gar nicht pünktlich. Auch muss sie nicht vollständig sein. Es werden keine Gifte aufgesaugt und fremde Toiletten sind risikolos, beachtet man ein Minimum an Hygiene…oder  man nimmt gleich die Hockstellung ein, wie auf einem Plumsklo, ohne den Sitz zu berühren.

Suchen Sie nur die Toilette auf, wenn sie intensiven Drang verspüren. Dann tritt die erste Stuhlportion wie von selbst in den After ein, wobei mit der Bauchpresse (Einziehen des Bauches) nachgeholfen werden kann. Hockstellung erleichtert diesen Vorgang. Sobald die Stuhlsäule aus dem After herausdrängt, sollte man – anstatt zu pressen – versuchen, durch Hochziehen des Beckenbodens die Austreibung zu erleichtern, auch wenn dabei schließlich die Stuhlsäule abreißt (Ähnlich wie wenn man in einen Strumpf steigt und diesen hochzieht, während der Fuß hinein gleitet (Kontinenzorgan). Dies gelingt wiederum am Besten, wenn man die Bauchpresse betätigt.

Hat man das Gefühl, es ist noch nennenswert Stuhl vorhanden, “schiebt“ man ihn mit der Bauchpresse leicht an, so dass er in den After eintreten kann. Das Weitere wie oben. Nach zwei, allenfalls drei Stuhlportionen sollte der Entleerungsvorgang beendet werden. Dies braucht  allenfalls 1-2 Minuten.

Achtung, bestehen bereits vergrößerte Hämorrhoiden, können diese initialen oder anhaltenden Stuhldrang vortäuschen, was dazu verleitet, dem Drang durch Pressen nachzugeben, in der Annahme, es sei (noch) Stuhl vorhanden. Manchmal entweicht nur Luft. In diesem Fall brechen Sie den Entleerungsvorgang ab – das Dranggefühl wird nach einer Weile erlöschen – und warten bis sich erneut Drang einstellt. Sklerotherapie von Hämorrhoiden beseitigt dieses Phänomen.

Jedes längere Verweilen auf der Toilette – mit oder ohne Lektüre – ist schädlich, da – oft unbewusst – gepresst wird, um nachrutschenden Stuhl doch noch auszutreiben. Jahrelanges Pressen bei einem nicht reflektorisch geöffneten After führt zu einer Vergrößerung der natürlichen hämorrhoidalen Gefäßpolster und schwächt die Beckenbodenmuskulatur. Selbstverständlich ist es genauso schädlich, wenn aus Hektik gepresst wird, mit dem Ziel, den Toilettengang so schnell wie möglich zu beenden.

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Mythos = sagenhafte Geschichte, Mär, falsche Vorstellung
initial = anfänglich, beginnend